Die Schamari-Mühle: Romantik pur!

Aus einer Zeit, in der das Wünschen noch geholfen hat, stammt diese wunderschöne alte Mühle, in der die Träume sehnsüchtiger Städter in Erfüllung gehen. Und ganz und gar nicht nebenbei auch ausgezeichneter Wein gemacht wird.

Die Verbindung von Weingütern mit guter Gastronomie hat im Rheingau Tradition und so wissen die Wiesbadener schon seit langem, wo man am besten das Wochenende verbringt, nämlich in den Straußwirtschaften oder ausgewachsenen Restaurants westlich entlang des Rheins. Hier schenken zahlreiche Weinmacher vom Schoppen bis zum großen Gewächs glasweise aus, was andernorts kaum zu finden ist und fähige Köche servieren dazu eine bunte Palette an Gerichten. Und dann gibt es noch die versteckten Geheimtipps, die etwas weiter hinter der B42 liegen. Zum Beispiel die Schamari-Mühle. Die legte sich Junker Knebel von Katzenellenbogen bereits 1593 in sein Portfolio, denn Mühlen waren seinerzeit eine gute Einnahmequelle. Nach einigen Besitzerwechseln kaufte sie der namensgebende Heinrich Schamari im Jahr 1812 und betrieb die direkt unterhalb von Kloster Johannisberg liegende Mühle bis 1929 – dann lohnte dieses Geschäft nicht mehr und man stieg auf Wein und Landwirtschaft um. In den 50er Jahren wechselte das Gut dann in nordeuropäische Hände: Erik Andersson Senior, Sohn eines schwedischen Kaufmanns aus dem Dörfchen Bü, übernahm das Weingut von seinem Onkel Peter Schamari und übergab es an seinen Sohn Erik. Erst im Jahr 2017 änderte sich dann wieder etwas – Werner und Peter Reck übernahmen das komplette Anwesen inklusive der hochkarätigen Weinberge.

Das Vater-Sohn-Gespann war zuvor bereits 20 Jahre lang als Hobbywinzer aktiv, bevor der Traum vom eigenen Weingut endlich in Erfüllung gehen konnte. Werner Reck als Mediziner und Sohn Peter als Förster und Ökonom suchten jemand zur Unterstützung in Wingert und Keller und fanden ihn in der Person von Ulrich Phillip, der seitdem als Betriebsleiter des Weinguts verantwortlich zeichnet. Hans-Peter Schmitt ist in dieser Konstellation das wichtige vierte Rad am Wagen, denn er sorgt als Restaurantleiter Abend für Abend für glückliche Gesichter im zugehörigen Gasthaus. Das wurde zum Glück nicht wie viele andere im Rheingau totrenoviert, sondern atmet immer noch den Geist glücklicher vergangener Tage, von denen es dank solcher Orte auch heute immer noch reichlich gibt und geben wird. Schon dank der hervorragenden Lage direkt unterhalb der Weinstöcke von Johannisberg und einem traumhaften Garten strömen die Menschen insbesondere an den Wochenenden herbei und genießen diese besondere Atmosphäre, doch ohne guten Wein würde das Konzept nicht aufgehen. Und davon versteht man hier jede Menge.

Das erste große Kapital sind die Lagen: Von Geisenheimer Kläuserweg und Kilzberg ziehen sich die gutseigenen Terroirs über Winkeler Dachsberg und Johannisberger Hölle bis zu Assmannshäuser Höllenberg und Lorcher Kapellenberg, und wer sich jetzt auch nur ein wenig im Rheingau auskennt, stellt schnell fest, dass es sich hierbei um absolute Toplagen handelt. In denen stehen jedoch nicht ausschließlich der für die Region so typische Riesling und der immer populärer (und besser) werdende Pinot Noir, sondern auch Raritäten wie beispielsweise Muskateller, den man hier ansonsten kaum vorfindet. Chardonnay und Grauburgunder  haben ebenfalls den Weg in die Weinberge der Schamari-Mühle gefunden, der Partisan erfreut sich als gelungene Cuvee von Regent und Spätburgunder bei der Kundschaft großer Beliebtheit, doch wenn wir von absoluten Spitzengewächsen sprechen, kommen wir unweigerlich zu grandiosen Spätburgundern, die entweder unter den Lagennamen oder aber unter fantasievollen Bezeichnungen wie „La Déesse“ oder „SCHA-to-MARIE“ vermarktet werden.

Hier sind es vor allem Johannisberger Hölle und Assmannshäuser Höllenberg, die Trauben für so monumentale wie gleichsam elegante und feingliedrige Paradebeispiele dafür liefern, welch grandiose Spätburgunder im Rheingau entstehen können – vorausgesetzt, man weiß, wie das geht. Dass man in der Schamari-Mühle sein Handwerk versteht, beweist jede einzelne Flasche und bekannte Weinführer wie Gault Millau, Falstaff oder Feinschmecker bestätigen das regelmäßig mit hohen Bewertungen. Dabei sind es gerade mal 5 Hektar, auf denen die Recks nun wirtschaften – da muss jeder Handgriff sitzen. Der Verführung, durch Menge die kleine Fläche wettzumachen, ist man hier nicht erlegen, denn die Gleichung kleiner Ertrag = hohe Qualität ist auch den Recks in Fass und Glas übergegangen. Während die frischen Schoppenweine wie etwa der großartige, ungemein fruchtige und mit lebendiger Säure ausgestattete Riesling im Stahltank ausgebaut werden, ruhen die großen Weine nach der Gärung in Barriques unterschiedlichen Alters und sind somit nichts für den schnellen Konsum, sondern profitieren enorm von etwas Ruhe im Keller. Das belegt auch die eigene kleine Sammlung an alten Flaschen, die bis 1959 zurückreicht und von denen man sich sogar besondere für außergewöhnliche Anlässe wie beispielsweise einen runden Geburtstag aussuchen und erwerben kann.

Mit der Konzentration auf Rotweine ist man jedenfalls auch für den im Rheingau immer stärker spürbaren Klimawandel bestens aufgestellt – steigen Sie einfach mal ins Auto und besuchen Sie diese traumhafte kleine Mühle, wo man schon darauf wartet, Sie mit Wildsülze, Maultaschen oder Pasta mit Zucchini und Räucherlachs glücklich zu machen. Aber passen Sie bloß auf, genug Platz im Kofferraum mitzubringen – die Weine sind nicht nur ausgezeichnet, sondern auch noch sehr freundlich kalkuliert!

Weingut Schamari-Mühle, Grund 65, 65366 Johannisberg, Tel. 06722-64537, www.schamari.de